Herz-Katheter bald in der Kreisklinik

Medizin: Kardiologie-Chefarzt in Groß-Umstadt: ,,Infarktpatienten gewinnen wertvolle Minuten, die Leben retten können"
Veröffentlicht am 5. Dezember 2009 im Darmstädter Echo:
DARMSTADT-DIEBURG Kardiologe Michael Wilhelm Weber verstärkt ab Mai 2010 das Chefarztteam an der Kreisklinik in Groß-Umstadt.
Die Modernisierung der 220 Betten großen Kreisklinik in Groß-Umstadt geht rasant voran. Erstmals werden dort ab kommendem Frühjahr Herzkatheter eingesetzt. ,,Infarktpatienten gewinnen so wertvolle Minuten, die Leben retten können", sagte am Freitag Kardiologe Michael Weber. Er wird der nächste neue Chefarzt an der Kreisklinik sein. Mit ihm und seinem Team aus zwei Oberärzten und Helfern wird dort ein neues, lebensrettendes Angebot in Groß-Umstadt eingerichtet.
Bei Verdacht auf Herzinfarkt - eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland - werden Patienten künftig direkt vom Notarztwagen in einen speziellen Untersuchungsraum gebracht, wo ein Kontrastmittel mit einem dünnen Schlauch über eine Arterie am Bein oder Arm in Richtung Herz eingeführt wird.
Rasch erkennt dann der Facharzt in einer Sequenz von zwanzig Röntgenbildern an der Ausbreitung des Kontrastmittels, ob die Herzkranzgefäße irgendwo verstopft sind, also auch kein Blut mehr hindurch fließt. Der Engpass würde dann mit einem Ballon erweitert, um an dieser Stelle einen ,,Stent" zu fixieren, ein Röhrchen, das die Blutbahn offen hält. ,,All das wird in 30 Minuten passieren, von dem Moment an, da der Patient unsere Tür überquert", schildert der künftige Chefarzt. Das ist keine Theorie, sondern Praxis, denn Michael Weber macht solche und weitere Eingriffe am Herzen bereits täglich an der europaweit renommierten privaten Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim.
Dass es gelungen sei, diesen auch international bei Ärzte-Tagungen gefragten Fachmann mit Team an die Kreisklinik in Umstadt zu holen, werten Landrat Klaus Peter Schellhaas und Klinik-Betriebsleiter Christian Keller als großen Erfolg. ,,Das ist ein ganz entscheidender Faktor für die Versorgung der Patienten im ländlichen Raum", sagte der Landrat gestern beim Vorstellungsgespräch des Chefarztes mit dem ECHO. In die erforderlichen neuen Geräte und Umbauten werden 1,5 Millionen Euro investiert.
1500 Herzkatheterbehandlungen im Jahr sollen in Umstadt ausgeführt werden; was unterm Strich sogar einen Gewinn für die bislang defizitäre Klinikkasse bedeuten könnte. Die Krankenkassen bezahlen zwischen 3000 und 7000 Euro, je nach Operation. Hinzu kommen andere minimal-chirurgische Eingriffe wie Schrittmacher einsetzen, die komplette Diagnostik am Herzen und medikamentöse Therapien. Alles in allem also eine Facette, die eher an Maximalkliniken angeboten wird. Noch müssen Patienten dazu nach Darmstadt, Heppenheim oder Langen transportiert werden, wodurch sie Zeit verlieren.
„Stent“: Das Drahtgeflecht zum Dehnen von Gefäßverengungen wird künftig auch an der Kreisklinik in Groß-Umstadt bei akutem Herzinfarkt eingesetzt. Der schnelle lebensrettende Eingriff wird mit einem neuen kardiologischen Chefarzt möglich. ArchivFoto: DPA Auch im Umfeld der neuen Kardiologie am Kreiskrankenhaus in Groß-Umstadt wird sich einiges tun: Die ,,Stroke Unit" für Schlaganfallpatienten wird erweitert, eine eigene Überwachungsstation geschaffen. Investitionsumfang: mehrere hunderttausend Euro. Schon jetzt, mit den neuen Chefärzten für Chirurgie und Gynäkologie, sei aufgrund der Abrechnungen mit den Krankenkassen ein steigender ,,CMI" (Case Mix Index) ablesbar. Je höher die durchschnittliche Fallschwere einer Klinik ist, desto mehr Geld erhält sie von den Krankenkassen. Landrat Schellhaas: ,,Herausragende Angebote, ein tolles Team mit neuen Chefärzten und das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Veränderungen bei allen Mitarbeitern: In drei bis vier Jahren können wir es so schaffen, aus dem Minus im Betrieb ein Plus zu machen." Und auf ECHO-Nachfrage: ,, Wir schaffen das auch ohne privates Kapital - und erhalten diesen wichtigen Bereich für unsere Leute in Darmstadt-Dieburg unter eigener Kontrolle."
Von Reinhard Jörs
